Grußwort
Wolfgang Rolshoven
anlässlich der Verleihung des 20. Meyer-Struckmann-Preises an Prof. em. Dr. Shulamit Volkov am 29. Oktober 2025
Sehr geehrte Frau Professorin Steinbeck!
Sehr geehrte Frau Professorin Seegers!
Sehr geehrter Herr Professor Haucap!
Sehr geehrte Frau Professorin Volkov!
Sehr geehrter Herr Professor Rohrbacher!
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Auch ich begrüße Sie heute Abend ganz herzlich hier im Haus der Universität. Ich freue mich, bei Ihnen zu sein und danke sehr für die freundliche Begrüßung!
Beste Grüße darf ich Ihnen von unserem Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller ausrichten. Er wäre heute gerne persönlich hier. Doch er ist leider terminlich verhindert.
Als Beauftragter zur Bekämpfung von Antisemitismus und zur Förderung jüdischen Lebens in der Landeshauptstadt Düsseldorf vertrete ihn mit Freude.
In dieser Funktion darf ich Ihnen, sehr geehrte Frau Professorin Volkow, heute herzlich zur Verleihung des von der philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität ausgeschriebenen Meyer-Struckmann-Preises gratulieren. In diesem Jahr wurde dieser Preis der Meyer-Struckmann-Stiftung für das Thema Antisemitismusforschung ausgeschrieben, dem Sie sich in besonderer Weise gewidmet haben.
Wie wichtig und folgenreich historische Forschungsarbeit und speziell Antisemitismusforschung sein kann, haben wir am heutigen Vormittag gesehen. Da fand vor dem Düsseldorfer Polizeipräsidium ein denkwürdiger Moment statt: Der seit langem nach Franz Jürgens, einem ehemaligen Oberstleutnant der Schutzpolizei benannte Platz erhielt einen neuen Namen.
Jahrzehntelang war Franz Jürgens als Unterstützer der sogenannten »Aktion Rheinland« und der kampflosen und zerstörungsfreien Übergabe der Stadt an die Alliierten am Ende des 2. Weltkrieges mit dieser Platzbenennung geehrt worden.
Doch durch lange historische Recherchen unserer Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte war festgestellt worden, dass der so hoch Geehrte in frühen Jahren der nationalsozialistischen Ideologie nahestand.
So entbrannte durch diese neuen Erkenntnisse eine intensive gesellschaftliche wie politische Diskussion, ob Franz Jürgens dieser Ehrung noch würdig sei.
Man entschied sich schlussendlich für eine Neubenennung des Platzes. Zwar wurde anerkannt, dass sich Franz Jürgens – wenn auch spät – letztlich vom Nationalsozialismus abgewandt hatte. Doch diese hohe Ehrung – die Höchste, die eine Person in Düsseldorf posthum erhalten kann – schien nicht mehr angemessen.
Verehrte Gäste,
stattdessen wurde der Platz vor dem Polizeipräsidium nun heute – auf Beschluss des Stadtrates – in Platz der Polizei umbenannt.
Die angrenzende Straße erhielt den Namen Edith-Fürst-Straße – benannt nach einer Frau, die Deutschland 1939 auf der Flucht vor den Nazis verließ. Auf ihrer Odyssee wurde sie von den Nazis gefangen genommen. Sie wurde in das Konzentrationslager Sajmiste bei Belgrad gebracht und 1942 ermordet.
So richten wir mit dieser heutigen Straßenumbenennung den Blick bewusst weg von einem Menschen, der in den Anfangsjahren auf der Täterseite stand hin zu einem Opfer. Wir ehren damit stellvertretend eine Frau, die ein unschuldiges Opfer der Naziideologie wurde – nur, weil sie Jüdin war.
Das ist ein wichtiges Zeichen in einer Zeit, in der – leider auch in Düsseldorf – der Antisemitismus wieder erstarkt und seine hässliche Fratze zeigt.
Insbesondere nach dem menschenverachtenden Angriff der Terrororganisation Hamas auf jüdische Zivilistinnen und Zivilisten vom 7. Oktober 2023 hat es leider auch hier in Düsseldorf antisemitische Vorfälle und Übergriffe geben. Es gab Pöbeleien, Hass und Hetze gegen die jüdische Gemeinde und gegen jüdische Studierende. Offen gezeigt auf der Straße, bei Demonstrationen und Protestcamps, aber auch in einer Wucht in den sozialen Medien, die erschüttert. Das beschämt, und das erfordert das entschiedene Dagegenhalten der Stadtgesellschaft – auf allen Ebenen.
Sei es mittels der so wertvollen Informations- und Aufklärungsarbeit unserer Mahn- und Gedenkstätte. Sei es durch Handreichungen für Schulen zum Umgang mit Antisemitismus. Sei es, indem wir unseren jüdischen Freundinnen und Freunden hier in Düsseldorf und in unserer israelischen Partnerstadt Haifa beistehen. Sei es in Kürze mit unserem öffentlichen Gedenken an die Opfer der Pogromnacht vom 9. November 1938 – immer sind wir alle gefordert, für Frieden, Freiheit und Toleranz und gegen Ausgrenzung und Antisemitismus einzuschreiten.
Denn es darf nicht sein, dass sich Jüdinnen und Juden in unserem Land jemals wieder bedroht fühlen. Es ist unser aller Verantwortung und Auftrag, dies niemals wieder zuzulassen.
Verehrte Gäste,
verehrte Preisträgerin,
die Verleihung des diesjährigen Meyer-Struckmann-Preis an eine israelische Antisemitismusforscherin leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Dafür danke ich der Stiftung sehr.
Ihnen, sehr geehrte Frau Professorin Volkov, danke ich sehr, dass Sie für diese Preisverleihung aus Tel Aviv hierher in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt gekommen sind. Ich wünsche Ihnen einen guten Aufenthalt - hier unter Freundinnen und Freunden - und für Ihre zukünftige Arbeit weiterhin viel Erfolg.
Wolfgang Rolshoven
Wolfgang Rolshoven wurde 1945 geboren. Nach Abschluss des Bankbetriebsstudiums Tätigkeiten in leitender Funktion bei verschiedenen Kreditinstituten, 15 Jahre Mitglied des Vorstandes eines Regionalbank, seit 2011 Bankdirektor i.R Rolshoven war und ist ehrenamtlich äußerst aktiv:
Landesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren von NRW, Handelsrichter am Landesgericht Düsseldorf, Mitglied des Bildungsausschusses DIHT Bonn und des Kreditwirtschaftlichen Ausschusses der IHK zu Düsseldorf. Seit 1982 Mitglied des Heimatvereins Düsseldorfer Jonges e.V., Tischbaas der TG Wirtschaft von 2004 bis 2012, seit 13. November 2012 Präsident des Heimatvereins Düsseldorfer Jonges e.V. bis zum 29.4.2025. Seit 1.5.2025 Ehrenpräsident der Düsseldorfer Jonges e.V. Seit 1.7.2025 Beauftragter zur Bekämpfung von Antisemitismus und zur Förderung jüdischen Lebens.