Sehr geehrte Preisträgerin, Frau Professorin Volkov,
sehr geehrter Vorstandsmitglieder der Meyer Struckmann Stiftung,
Hier insbesondere den Vorsitzenden Herr Kollegen Haucap und meine liebe Kollegin, die Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin Julia von Blumenthal,
Dekanin Frau Kollegin Seegers,
Laudator Herr Kollegen Rohrbacher,
Antisemitismusbeauftragten der Stadt Düsseldorf Herr Wolfgang Rolshoven,
sehr geehrte, liebe Gäste,

im Namen der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf begrüße ich Sie alle zur Verleihung des Meyer-Struckmann-Preises 2025 hier im Haus der Universität.

Ganz besonders herzlich möchte ich Sie, sehr geehrte Frau Professorin Volkov, in Düsseldorf willkommen heißen und Sie zu dieser international renommierten Auszeichnung beglückwünschen.

Die Philosophische Fakultät der HHU schreibt seit inzwischen 19 Jahren den Meyer-Struckmann-Preis für geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung aus.

Sie stellt dabei immer wieder eine andere Disziplin in den Fokus – in diesem Jahr die »Antisemitismusforschung«. Gesucht und gefunden wurde mit Ihnen, Frau Professorin Volkov, eine herausragende Persönlichkeit, die über das Fach hinauswirkt und bedeutsame gesellschaftliche Phänomene beschreibt. Warum gerade jetzt die Antisemitismusforschung besondere Aufmerksamkeit verdient, brauche ich in unserem Kreis bestimmt nicht zu begründen.

Die täglichen Nachrichten zeigen eine traurige Wahrheit: Es gibt es immer mehr antisemitische Vorfälle und die weltweiten Entwicklungen lassen uns besorgt in die Zukunft schauen. Als Rektorin einer Uni kann ich dies aus eigener Erfahrung bestätigen. Seit dem 7. Oktober 2023 berichten jüdische Studierende und Beschäftigte an Hochschulen verstärkt von verbalen Anfeindungen und Einschüchterungen. Das führt dazu, dass sie den Campus meiden oder ihre Identität verstecken. Ein Aspekt dieser furchtbaren Entwicklung, der mich persönlich beschäftigt, ist die Tatsache, dass viele Menschen nicht differenzieren zwischen einzelnen Personen und dem Verhalten in der Politik. Sie verallgemeinern, übernehmen Parolen und Haltungen und manche – weil sie verunsichert sind – ziehen sich still zurück. Das zeigt beispielsweise die Tatsache, dass Vermittler:innen jüdischer Kultur wie Musiker:innen, Schriftsteller:innen oder Künstler:innen weniger gebucht werden. Veranstalter haben Angst vor Ausschreitungen und Besucher trauen sich nicht zu den Veranstaltungen zu gehen. Wofür es früher Wartelisten gab, ringen die Veranstalter:innen inzwischen um Gäste. Und auch im akademischen Umfeld werden Veranstaltungen abgesagt oder gar nicht erst organisiert. Manchmal durchaus aus gutem Grund, weil die Sicherheit der Teilnehmenden nicht garantiert werden kann. Es gibt Absagen, Brüche, verschärfte Positionen und stillen Boykott.

Aber, meines Dafürhaltens: das Ausbleiben von Gesprächen, fehlender Austausch, unterlassene Kommunikation hinterlassen ein Vakuum, in das Fehlvorstellungen, Missverständnisse und am Ende Hass und Antisemitismus treten. Kontakt und Austausch abbrechen sind der falsche Weg.

 Was ist Antisemitismus? Sie, liebe Frau Professorin Volkov, haben ihn bereits 1978 als »kulturellen Code« beschrieben. Als mehr als reinen Judenhass und als Zeihen für andere politische Einstellungen. Ihre Sicht auf die verbundene deutsche, jüdische und europäische Geschichte gilt bis heute als wissenschaftlicher Meilenstein.

Sie sind der Frage nachgegangen, wie gesellschaftliche Prozesse, nationalistische Ideologien und kulturelle Identitätskämpfe in diesem Zusammenhang wirken.

Wer historische und aktuelle Entwicklungen bewerten will, muss solche Verknüpfungen verstehen und bereit sein, sich mit der Geschichte und der Gegenwart des Antisemitismus auseinanderzusetzen. Es bleibt unverzichtbar, dass die Wissenschaft dazu beiträgt, dass wir reflektieren, analysieren und miteinander im Gespräch bleiben – um Verständnis auszubauen und Verbindungen zu schaffen.

Sehr geehrte, liebe Frau Volkov, noch einmal meine allerherzlichsten Glückwünsche! Ich bin sehr gespannt auf Ihren Vortrag und freue mich auf den Abend mit Ihnen.

Der Meyer-Struckmann-Stiftung danke ich im Namen der Heinrich-Heine-Universität von Herzen für ihr großzügiges und langjähriges Engagement und die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unserer Universität.

 

Prof. Dr. Anja Steinbeck

Rektorin der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf seit November 2014 (Jahrgang 1966) Studium der Rechtswissenschaften in Mainz und Genf. Nach Promotion (1992) und Habilitation (1998) folgte 2001 ein Ruf auf einen Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht und Gewerblichen Rechtsschutz an der Universität zu Köln sowie 2003 die Ernennung zur Direktorin des Instituts für Gewerblichen Rechtschutz und Urheberrecht. Von 2011-2014 war sie Prorektorin der Universität sowie von 2004 - 2014 Richterin im Nebenamt am Oberlandesgericht Köln. 2020 vom Centrum für Hochschulentwicklung und der ZEIT als Rektorin des Jahres ausgezeichnet.