Grußwort
Dekanin Prof. Dr. Ulli Seegers
anlässlich der Verleihung des 20. Meyer-Struckmann-Preises an Prof. em. Dr. Shulamit Volkov am 29. Oktober 2025
Sehr geehrte Festgesellschaft, es gehört zu den schönen Gepflogenheiten, dass bei offiziellen Anlässen wichtige Funktionsträger:innen persönlich begrüßt werden. Selbst wenn Sie also schon mehrere Reden gehört haben und damit auch schon mehrfach begrüßt worden sind, möchte ich es mir als Co-Gastgeberin heute Abend nicht nehmen lassen, an diese Begrüßungs-Tradition anzuknüpfen. Vielleicht ist es ja für die eine oder den anderen unter Ihnen auch durchaus interessant zu erfahren, wer sich zu Ehren unserer Preisträgerin hier heute Abend alles angemeldet hat. Und möglicherweise interessiert sich diese sogar selbst dafür, wer sich hier versammelt hat, und die ich nun als erste zusammen mit ihrer Familie, ihrem Mann und ihrer Tochter, sehr herzlich begrüße:
Sehr geehrte, liebe Frau Professorin Volkov, lieber Herr Bleiweiss, liebe Frau Angel, sehr geehrte Hochschulrät:innen Professorin Bauschke-Hartung und Professor Pfeffer, sehr geehrte Frau Rektorin, liebe Frau Professorin Steinbeck,
sehr geehrter Herr Kanzler, lieber Herr Dr. Goch,
sehr geehrter Herr Rolshoven, der uns in Vertretung von OB Dr. Keller beehrt, sehr geehrter Herr Stiftungsvorsitzender, lieber Professor Justus Haucap und
sehr geehrte Vorstandsmitglieder der Meyer-Struckmann-Stiftung: i.e. Herr Dr. Apenbrink, Frau Professorin von Blumenthal, Frau Gralher, Herr Professor Lepsius und Herr Dr. Rometsch,
sehr geehrte Frau Prorektorin, liebe Professorin Heidrun Dorgeloh,
sehr geehrter Herr Prorektor an der Robert-Schumann-Hochschule, lieber Herr Professor Grimm,
sehr geehrte Frau Direktorin an der RSH, liebe Frau Professorin Bobeth, sehr geehrter HerrDekan der MNF der HHU, lieber Professor Martin Heil, sehr geehrter Herr Prodekan, lieber Professor Roger Lüdeke,
sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
herzlich willkommen! Ich freue mich, Sie im Namen der Philosophischen Fakultät anlässlich der 20. Verleihung des Meyer-Struckmann-Preises begrüßen zu können!
Tatsächlich hat unsere Fakultät schon seit 2006 die Ehre, den Meyer-Struckmann-Preis zu vergeben. Die großzügige Ausstattung des Preises durch die Stiftung ermöglicht es uns seit zwei Dekaden, alljährlichherausragende Geistes-, Kultur- oder Sozialwissenschaftler:innen im Rahmen eines weithin sichtbaren Festaktes zu ehren. Die feierliche Preisverleihung bietet dabei über die internationale Fach-Community hinaus auch für die Stadtgesellschaft eine willkommene Gelegenheit, mit unserer Fakultät und den Themen, die unsere Fakultät umtreiben, in einen lebendigen Austausch zu treten. Da längst nicht alle Interessierten an der Feierstunde teilnehmen können und um auch der breiteren Öffentlichkeit eine Möglichkeit der Teilhabe zu ermöglichen, haben wir vor zwei Jahren ein digitales Archiv aller bisherigen Preisträger:innen erstellt. Auf der Website des Meyer-Struckmann-Preises werden alle Festreden und Vorträge dauerhaft veröffentlicht, so dass auf diese Weise eine lebendige Erinnerung entsteht. In den zurückliegenden 20 Jahren konnten wir so eine Vielzahl von herausragenden Wissenschaftspersönlichkeiten, die in ihrer Unterschiedlichkeit die ganze Bandbreite der an der Philosophischen Fakultät vertretenen Fächerkulturen spiegeln, ehren. Ich beginne mein Grußwort daher explizit mit einer Betonung der großen Bedeutung, die der Meyer-Struckmann-Preis für unsere Fakultät, aber zweifellos auch für die HHU als Bürgeruniversität insgesamt hat: Hier werden gleichermaßen theoretisch avancierte wie gesellschaftlich relevante Themen verhandelt und Diskurse gesetzt, die eine besondere Reichweite haben bzw. haben sollten. Ein Beispiel par excellence für derartige Forschungsleistungen bildet auch unsere heutige Preisträgerin. Doch bevor ich auf Shulamit Volkov und ihreAntisemitismusforschung zu sprechen komme, möchte ich mich bedanken. Ich bedanke mich an dieser Stelle im Namen der Philosophischen Fakultät bei allen heute glücklicherweise so zahlreich erschienenen Vorstandsmitgliedern der Meyer-Struckmann-Stiftung und bei ihrem Vorsitzenden Justus Haucap nicht nur dafür, dass sie seit 20 Jahren diese besondere Ehrung exzellenter Geistes- und Sozialwissenschaftler:innen und damit auch die Sichtbarmachung von wegweisenden Forschungsthemen ermöglicht haben, sondern heute auch besonders dafür, dass die Stiftung im Sommer entschieden hat, diese signifikante Förderung umweitere 10 Jahre zu verlängern. Es geht also weiter, und wir freuen uns wirklich sehr!
Nachdem im letzten Jahr mit Professor Wolfgang Ernst ein Medienwissenschaftler den international beachteten Preis erhalten hat, wird in diesem Jahr eine Forscherin für ihr beeindruckendes Lebenswerk geehrt, das mit der Antisemitismusforschung einem Themenfeld gewidmet ist, das aktueller kaum sein könnte. Und zwar bedauerlicherweise, muss man in diesem Fall hinzufügen, denn dass der Antisemitismus auch nach der Shoah nie gänzlich verschwunden, sondern auch 80 Jahre nach Kriegsende in immer neuen Varianten auftaucht, ist mehr als erschütternd, ja verstörend. Ich zitiere Shulamit Volkov aus ihrem gestrigen Interview mit der Rheinischen Post: »Die früheren Formen von Antisemitismus sind immer noch unter uns. Sie kommen an die Oberfläche, wenn die Menschen neue Gründe dafür finden.« Und welche abstrusen und abseitigen Gründe Menschen zu unterschiedlichen Zeiten bis heute für eine antisemitische Haltung aufgebracht haben und vielfach immer noch weiter aufbringen, ist Gegenstand der exzeptionellen Forschungvon Professorin Volkov, die seit bald 50 Jahren zu den international einflussreichsten Stimmen der Antisemitismusforschung zählt. Ihre Konzeption des Antisemitismus als »kultureller Code« gilt alstheoretischer Meilenstein. Und solche Meilensteine brauchen wir mehr denn je, denn wir leben in einer Zeit, inder antisemitisch motivierte Straftaten weltweit, aber auch in Deutschland dramatisch zunehmen.Antisemitismus in jeder Form, sei es als offen formulierter, als codierter oder auch als tolerierter, ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, dem wir damitauch als gesamte Gesellschaft entschlossen entgegentreten müssen: staatlich, zivilgesellschaftlich, kulturell und eben wissenschaftlich!
Auch an der Philosophischen Fakultät nehmen wir diese Verantwortung an, in dem wir in verschiedenen Fachbereichen dezidierte Forschungen im Bereich der Antisemitismusforschung praktizieren, strukturell fördern oder anderweitig unterstützen. Dabei denke ich exemplarisch an eine große, für NRW repräsentative Studie unseres Antisemitismusbeauftragten Heiko Beyer, der in diesem Wintersemester auch ein digitales Fortbildungsangebot zum »Antisemitismus im universitären Kontext« auf die Beine gestellt hat. Ich denke an ein internationales Forschungsprojekt von Ursula Hennigfeld zur Antisemitismusprävention in Schulen sowie an die Forschungen von Anke Hilbrenner im Bereich der osteuropäischen Geschichte. Daneben sind wirsehr stolz auf unser Institut für Jüdische Studien, das mit drei Professuren zu den größten seiner Art inDeutschland zählt. Und um auch Studierende schon früh für das Themengebiet Antisemitismus zu sensibilisieren, vergeben wir alljährlich einen entsprechenden Förderpreis der Philosophischen Fakultät für Studien- oder Abschlussarbeiten (Bewerbungen für 2025 nehmen wir im Dekanat übrigens noch bis zum 15. November entgegen!)
Liebe Frau Volkov, es ist mir daher nicht nur in meiner Funktion als Dekanin, sondern auch ganz persönlicheine große Freude und Ehre, dass ich Ihnen hier und heute zusammen mit dem Stiftungsvorsitzenden diesen großen Preis überreichen darf!
Doch bevor es soweit ist, freue ich mich sehr, dass Professor Stefan Rohrbacher, unser langjähriger, hochgeschätzter Kollege am Institut für Jüdische Studien die Laudatio auf unsere Preisträgerin halten wird.Herr Rohrbacher hat dankenswerterweise auch an der Jury teilgenommen, so dass er in jeder erdenklichen Hinsicht als Laudator prädestiniert ist.
Herzlich bedanken möchte ich mich auch bei allen anderen Jurymitgliedern, die viele bemerkenswerte Nominierungen gesichtet und sich dann doch sehr schnell und einstimmig für Shulamit Volkov entschieden haben: Prorektorin Prof. Dr. Heidrun Dorgeloh, Altdekan Prof. Dr. Bruno Bleckmann aus dem Institut für Geschichtswissenschaften, als Beauftragter der Stiftung war neben dem Vorsitzenden Justus Haucap auch Prof. Dr. Oliver Lepsius zugegen, aus dem Institut für Anglistik und Amerikanistik Prodekan Roger Lüdeke, Professorin Annette Schnabel aus dem Institut für Sozialwissenschaften, Kollegin Ursula Hennigfeld aus der Romanistik und unser Antisemitismusbeauftragter an der HHU, Professor Heiko Beyer aus dem Institut für Sozialwissenschaften.
Liebe Frau Professorin Volkov, herzlichen Glückwunsch zum Meyer-Struckmann-Preis! Am Ende unserer Feierstunde gebührt ein großer Dank dem fulminanten Musik-Duo
Charlotte Welling (Gesang) und Dr. Marco Hoffmann (Piano) für die musikalische Rahmung mit tiefsinnigen Werken voller Sprachwitz von Georg Kreisler.
Und bevor ich Sie nun alle zu Ehren der Preisträgerin zu einem Empfang ins Foyer einladen darf, möchte ich zum Abschluss Martina Huiras auf die Bühne bitten. Denn Frau Huiras hat als Projektkoordinatorin die Verleihung des MSP mit dem heutigen Abend 18 Jahre lang gleichermaßen routiniert wie couragiert organisiert und intensiv begleitet. Nun möchte sie diese große Aufgabe und Verantwortung in andere Händeabgeben. Damit geht heute Abend wahrlich eine Ära zuende, selbst wenn die Verlängerung der Preisverleihung durch unsere Fakultät wie eben gehört durch die Meyer-Struckmann-Stiftung um weitere 10 Jahre verlängert worden ist. Auch daran haben Sie, liebe Frau Huiras, einen großen Anteil – vielen Dank, dass Sie den MSP all die Jahre getragen und geprägt haben!
Prof. Dr. Ulli Seegers
Dekanin der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf seit März 2023. Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Literaturwissenschaften in München und Bochum. Promotion an der Universität Stuttgart (2002). Pressereferentin des Bundesverbandes Deutscher Galerien (1999-2001). Geschäftsführerin der Art Loss Register (Deutschland) GmbH (2001-2008). Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studiengang Kunstwissenschaft der Universität Kassel (2008-2012). Ruf auf eine Juniorprofessur für Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt Kunstvermittlung in Museum und Kunsthandel an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (2012). Ruf auf die Van-Meeteren-Stiftungsprofessur für Kunstvermittlung und Kunstmanagement an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (2017).