Porträt von Prof. em. Dr. Shulamit Volkov

»Schon früher interessierten sich christliche Gelehrte nicht nur für biblische Topoi, sondern immer mehr für die Lebenswelt der gegenwärtigen Juden – ihre Religion, ihre Gewohnheiten und ihre Sprachen. Zwar gab es unter diesen Gelehrten manche, die das Judentum oder die Juden verteidigten, wie bekanntlich John Toland, der deistische Philosoph aus England; normalerweise jedoch zielte dieses gelehrte Projekt auf die Missionierung der Juden und auf die theologische Stärkung des Christentums.«

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Prof. em. Dr. Shulamit Volkov

Shulamit Volkov, Professorin (Emerita) für Neuere Europäischen Geschichte an der Universität Tel Aviv, Israel, und Mitglied der Israelischen Akademie der Wissenschaften. Ehemalige Leiterin des Instituts für Deutsche Geschichte und Direktorin a.D. der Schule für Geschichte an der Universität Tel Aviv. Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin und am Historischen Kolleg in München, sowie Gastprofessorin an verschiedenen Universitäten in Europa und den USA. Sie veröffentlichte Bücher, Aufsätze und Essaybände zur Deutschen Sozialgeschichte, Deutsch-Jüdischen Geschichte und zum Antisemitismus sowie zu Aspekten der Aufklärung und zur Historiographie des Nationalsozialismus.
Im Jahr 2022 erschien im Beck Verlag, München, ihr Buch Deutschland aus jüdischer Sicht. Eine andere Geschichte vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart (auf Hebräisch in 2023 und auf Englisch als Germany through Jewish Eyes im Cambridge University Press Verlag, 2025); im Jahr 2023 erschien im Verlag De Gruyter, Berlin, ihre Essaysammlung Interpreting Antisemitism. Studies and Essays on the German Case.  

Dank und Vortrag

Laudatio

Grußworte

Mitglieder der Jury 2025

  • Prof. Dr. Ulli Seegers, Dekanin der Philosophischen Fakultät
  • Prof. Dr. Justus Haucap, Vorsitzender der Meyer-Struckmann-Stiftung
  • Prof. Dr. Heidrun Dorgeloh, Prorektorin für Universitätskultur und Internationales
  • Prof. Dr. Bruno Bleckmann, Altdekan
  • Prof. Dr. Oliver Lepsius, Beauftragter der Stiftung
  • Prof. Dr. Roger Lüdeke, Institut für Anglistik und Amerikanistik
  • Prof. Dr. Annette Schnabel, Institut für Sozialwissenschaften
  • Prof. Dr. Stefan Rohrbacher, Institut für Jüdische Studien
  • Prof. Dr. Heiko Beyer, Antisemitismusbeauftragter der HHU, Institut für Sozialwissenschaften
  • Prof. Dr. Ursula Hennigfeld, Institut für Romanistik

Begründung der Jury

Als (inzwischen emeritierte) Professorin für Neuere Geschichte an der Universität Tel Aviv und Mitglied der Israelischen Akademie der Wissenschaften hat Shulamit Volkov mit ihrem umfangreichen und wegweisenden Werk die Erforschung des Antisemitismus entscheidend geprägt. Seit den 1970er Jahren zählt Volkov zu den international einflussreichsten Stimmen der Antisemitismusforschung. Ihre Konzeption des Antisemitismus als »kultureller Code« (zuerst in Leo Baeck Institute Year Book 1978) gilt bis heute als theoretischer Meilenstein. In zahlreichen Monographien und Aufsätzen verbindet sie historische Tiefenschärfe mit analytischer Originalität. Besonders hervorzuheben ist Volkovs Fähigkeit, deutsche, jüdische und europäische Geschichte miteinander zu verweben und Antisemitismus im Kontext gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse, nationalistischer Ideologien und kultureller Identitätskämpfe zu analysieren. Ihre jüngsten Arbeiten, etwa die Monografie Deutschland aus jüdischer Sicht. Eine Andere Geschichte vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart (2022, Beck Verlag), zeigen eindrucksvoll, wie jüdische Perspektiven zur kritischen Neubewertung nationaler Geschichtsschreibungen beitragen können. Über Jahrzehnte hinweg hat Shulamit Volkov die internationale Antisemitismusforschung beeinflusst und während ihrer vielen Gastaufenthalte (z.B. am Wissenschaftskolleg zu Berlin, an der L‘École des hautes études en sciences sociales in Paris oder an der Columbia University in New York) persönlich belebt. Ihr Werk steht für eine unermüdliche, intellektuell brillante und zugleich gesellschaftlich hoch relevante Auseinandersetzung mit der Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus.

Ausgewählte Publikationen

    Antisemitism as a Cultural Code. Reflections on the History and historiography of Antisemitism in Imperial Germany, Yearbook of the Leo Baeck Institute, XXIII 1978 25-45.

    Kontinuität und Diskontinuität im deutschen Antisemitismus 1870-1945, Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, 33 1985, 221-243.

    Antisemitismus als Kultureller Code, Zehn Essays, Becksche Reihe, Verlag C.H.Beck, München 2000.

    Das Jüdische Projekt der Moderne. Zehn Essays, Verlag C.H.Beck, München 2001.

    Germans, Jews and Antisemites. Trials in Emancipation, Cambridge University Press, Cambridge 2006

    Walther Rathenau. Ein jüdisches Leben in Deutschland, Beck Verlag, München 2012.

    Deutschland aus Jüdischer Sicht. Eine andere Geschichte vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Beck Verlag, Munich 2022.

     Rewriting German History: Jewish Experience as a Corrective. The 63rd Leo Baeck Memorial Lecture, New York 2022, 7-22.

    Interpreting Antisemitism. Studies and Essays on the German Case,  De Gruyter, Berlin/Boston 2023 (in Paperback 2025).

    Antisemitism in the Arsenal of European Collective Memory: Reflections on »Sliding« from Criticism to Hatred, Yad Vashem Studies, Bd. 53/2, 2025

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